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Hospitalkirche “St. Georg” zu Delitzsch

hospitalkirche0520Die Hospitalkirche liegt außerhalb der ehemaligen Stadtbefestigung, dicht an dem Halleschen Turm, an der alten Salzstraße, die von Halle über Delitzsch gen Osten führte. Sie grenzt unmittelbar an das Hospital, das zuerst Hospital “Zum Heiligen Geiste”, später Hospital “Sankt Georg” hieß.

Es gab vor der 1516 erbauten Kirche bereits eine Hospitalkapelle, die wohl entweder nicht mehr zureichte, oder baufällig geworden war. Deshalb begann man am 15. August, Mariä Himmelfahrt, mit der Grundsteinlegung.

In einem Strebepfeiler von Westen her an der Südseite des Gebäudes befindet sich folgende Inschrift:


Ano + dni + 1 + 5 + 1 + 6 + suntage
nach + marie + scheidung +
ist + dieser + Bau + stein+
geleget.

Die Kirche ist ein schlichter, einschiffiger Bau und verfügt über einen kleinen Turm. Lediglich ein kleiner, schiefergedeckter achteckiger Dachreiter für die Glocke erhebt sich über dem Dachfirst. Im 1. Weltkrieg musste die Glocke abgeliefert werden, jetzt hängt dort eine größere aus Gusseisen.
Die Kirche wurde mit Backsteinen gebaut und anschließend verputzt.
Durch das Portal an der Südwand, welches in Sandstein ausgeführt ist und spätgotische Profile zeigt, betritt man das Kircheninnere. Ein anderer Eingang führt direkt vom Hospital aus in das kleine Gotteshaus und zwar von Westen her.
Das Schiff der Hospitalkirche ist vierjochig und das Kirchengebäude stößt mit seiner Westwand an das Hospital an. An der Nordwand des westlichen Joches wurde eine quadratische Sakristei herausgebaut. Im Chor befindet sich der Altar.

Der Altar “St. Cyriakus”
Das Kruzifix und der Altar sind ein spätgotisches Werk, von einem unbekannten Meister angefertigt. Der Altaraufsatz zeigt bei geöffneten Flügeln sieben Figuren. Im linken Flügel steht St. Blasius, er hielt ursprünglich mit den Händen eine Kerze. Neben ihm steht in voller Rüstung und mit einer Lanze bewaffnet, St. Georg, der seinen Fuß auf den besiegten Drachen stellt. Im Schrein sieht man St. Christopherus mit dem Jesuskind auf der Schulter. Es folgt Anna selbdritt. Sie trägt auf dem rechten Arm das Jesuskind, auf dem linken Arm ihre Tochter Maria.
Neben Anna steht St. Rochus, er zeigt mit seinem Finger auf eine Pestbeule, an der er erkrankt war, später aber genas er wieder. Im rechten Flügel finden wir St. Stephan in Diakonentracht, mit einem Buch in der Hand, daneben St. Cyriakus, ebenfalls mit einem Buch in der Hand und in der Tracht der Diakone. Er steht auf einem Drachen.
Die geöffnete Predella zeigt auf dem linken Flügel als Bildtafel St. Nikolaus, der als Freund der Kinder gilt. In der Mitte sehen wir eine geschnitzte Pieta. Sie zeigt den vom Kreuz abgenommenen Leichnam Jesu mit seiner Mutter Maria.
Auf dem rechten Flügel finden wir St. Apollonia, sie ist Helferin bei Zahnerkrankungen.
Die geschlossene Predella zeigt links als Bildtafel die heilige Barbara mit Kelch und Hostie und rechts auf der Bildtafel ist ein weiterer Nothelfer zu sehen, St. Erasmus, dessen Fürsprache bei Tierkrankheiten erbeten wurde.
Der geschlossene Altar zeigt als Gemälde die Verkündigung Marias.

Die Kanzel
Am Südpfeiler des Bogens zwischen Schiff und Chor ist die Kanzel angebracht, die von dem Delitzscher Tischler und Holzschnitzer Thomas Bergmann im Jahre 1584 angefertigt wurde. Die feinen Ranken und Ornamente waren ehemals mit Seidenstoff, Pergament oder Leder hinterlegt. Die Kanzeltür und die Treppe sind mit Flachornamenten aus der Pflanzen- und Tierwelt verkleidet. Der obere Kanzelrand wurde mit einem Wort aus Lukas 11,28 beschriftet “Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren”. Der untere Rand zeigt ein Wort aus 1. Johannes 5,4 “Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.”
Im ersten Feld rechts, wenn man vor der Kanzel steht, wurde von dem Meister ein Stück Holz undurchbrochen belassen. So kommt das kleine Kruzifix von 1584 besser zur Geltung. Des Weiteren ist die vierteilige Sanduhr auf der Kanzel eine Besonderheit.

Die Sakristei
In der Sakristei befindet sich ein aus Eiche hergestellter Gotteskasten. Diese Arbeit lässt sich dem 14. Jahrhundert zuordnen. Eine Umarbeitung erfolgte im 16. Jahrhundert. Es handelt sich um eine gute, solide Handwerksarbeit.
An der Nordseite wurde eine Piscina eingebaut, deren Abfluss in den Hospitalhof mündet. Die Wand der Westnische ziert ein aus Schaf- und Kamelwolle von Frau Annemarie Binroth angefertigter Wandteppich, dessen Darstellung symbolisiert die Auferstehung.

Die Orgel
An der Westwand befindet sich eine steinerne Empore. Auf ihr steht die Orgel aus der Zeit des Barock (1717) mit reich verziertem und geschmücktem Prospekt. Der Orgelbaumeister Johann David Tiensch (1690-1751) aus Löbejün fertigte sie an. Die Orgel stammt aus der Kirche in Zschepen und wurde, da das Gotteshaus nicht genutzt wurde, 1974 ausgelagert.
Die Restaurierung erfolgte in den Jahren 1979-1981, dann fand der Einbau in die Hospitalkirche statt.

Die Empore
An der Emporenbrüstung sind die Felder von dem Künstler Wessner-Collenbey (1873 - 1940) bemalt worden. Bei den Darstellungen handelt es sich um die Werke der Barmherzigkeit (Matthäus-Evangelium 25, Verse 35 und 36)

Das Kircheninnere
Ein Gemälde, das den kämpfenden Georg mit dem Drachen darstellt, hat derselbe Künstler in eine Nische über der Sakristeitür gemalt.
Ein kleines Bildnis des heiligen Abendmahls stiftete der Hospitalvater Gottfried Lehmann 1742. Es befindet sich an der Nordseite der Kirche
Links davon, auf einem ehemaligen Altarstandort, steht eine Kreuzigungsgruppe: Maria, der gekreuzigte Jesus und Johannes. Der Künstler und das Entstehungsjahr sind unbekannt.
Wertvolle Glasfenster von Carl Crodel (1894 -1973) angefertigt, fielen leider Vandalismus zum Opfer. Reste dieser Fenster befinden sich im Delitzscher Museum. Erst 1967 wurden die Kirchenfenster neu verglast.
Seit 2019 werden die Fenster durch großzügige Spenden wieder restauriert und kehren nach und nach an ihren alten Ort zurück.
Im Kircheninneren kann man verschiedentlich Nischen betrachten, deren Zweck nicht mehr zugeordnet werden kann. Vielleicht waren Heiligenfiguren in ihnen untergebracht.
An den Wänden befinden sich Weihekreuze, in vorreformatorischer Zeit vom Bischof an die Wand gemalt, als Zeichen der Heiligkeit dieses Ortes und als Erinnerung an Weihehandlungen.
Das Netzmuster des Kirchengewölbes ist im Schiff reicher als im Chor vorhanden. In der Sakristei bildet das Netzmuster einen Stern. Auf den Schnittpunkten der Rippen des Netzgewölbes sieht man Vierpässe aus Kupferblech angeheftet. Diese sind mit Wappen, Figuren und Werkzeugen der verschiedensten Gewerbe und fast immer mit der Jahreszahl 1518, dem Jahr der Fertigstellung der Kirche, bemalt.