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Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Kirche!

ente22Ich hatte gerade das Lied: „Gottes Hand hält uns fest wie ein Vogel im Nest“ vor Augen und im Ohr, als ich ein Bild dazu suchte. Und dann fiel mein Blick auf diese kleine Ente, die gar nicht in einem Nest sitzt, sondern selbst von einer Hand geborgen wird. Aber dafür ist sie ganz niedlich, darum wurde sie letztendlich das Titelbild dieses Gemeindebriefes. Auch wenn ich noch gelernt habe, dass man junge Tiere überhaupt nicht anfassen soll, um den Familiengeruch nicht zu stören. Aber vielleicht ist das Tier ja verloren gegangen, was nicht selten geschieht, und braucht Hilfe. Oder es wird gerade beringt, um es später orten zu können. Oder es ist schon zum Haustier geworden und lebt in Menschenhand. Was mich am Kinderlied gerade beeindruckte, war das Spiel, das es dazu gibt. Kinder machen sich ganz klein und kuscheln zusammen. Eben wie in einem Nest. Und dann brechen sie laut schreiend aus und rennen auseinander. Und weil es Kinder sind, muss man das Spiel gefühlt hundertmal wiederholen. Zusammenrücken und ausbrechen. Immer wieder. Und vielleicht, so denke ich, haben die Kinder damit schon das Wichtigste im Leben begriffen. Wir brauchen einen Ort, der uns birgt und Schutz bietet. Und wir brauchen den weiten Raum, um immer wieder aufzubrechen. Karfreitag und Ostern. Trauer und Hoffnung. Wurzeln und Flügel. Geburt und Sterben. Willkommen und Abschied.

Und alles in einem Spiel und einem Lied beisammen. Wir üben Jahr für Jahr in der Passions- und Osterzeit diese Grundbewegungen des Lebens ein, weil sie Gott ein für allemal auf unseren Weg gestellt hat. Und wir dürfen dabei an seiner Hand gehen, damit das Üben gelingen mag. Die Trauer, die dunklen Stellen, die Stolperfallen und alles Versagen gehören zu uns. Und wir dürfen und müssen sie anschauen und aushalten, beweinen und letztendlich annehmen. Es ist unser Leben und alles gehört dazu. Kein Wunschkonzert, sondern eine Chance zum Lernen. Genauso dürfen und müssen wir immer wieder unsere Flügel ausbreiten und losfliegen. Hoffnung tanken, die Schönheit der Welt entdecken und unsere Kraft dazu. Damit das Kreuz nicht verklemmt und erlahmt und der gemütliche Sessel nicht frühzeitig ruft.

Was für eine Gottesgabe! Was für ein großes Geschenk! Wie im Kinderspiel immer wieder üben, damit wir haben für die Not. Lachen und Weinen. Mitleiden und Aufstehen. Scheitern können und Erfahrungen sammeln. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Und das alles in guten Händen. Unsere kleine Ente weiß noch gar nichts von ihrem Glück. Noch ruht sie sicher und gleich darf sie losfliegen. Passion und Ostern. Kommt, so ruft der Christus uns zu, übt mit mir das Leben. Geht mit bis ans Kreuz und haltet aus. Geht mit bis ins Grab und haltet aus. Und geht mit bis in die Grenzen und haltet aus. Und dann erwacht neu und aufersteht in meinen Himmel. Beginnt neu mit euren kühnsten Träumen. Und ich halte bei euch aus. Passion und Ostern. Und seine Hand hält uns fest! So kann Leben gelingen, immer wieder, das die Höhen und Tiefen nicht scheut. Und sich geborgen weiß in Gott. Das wollen wir getrost üben.

Ihr Pfarrer Stephan Pecusa