• 00banner.jpg
  • 01ballon.jpg
  • 02orgel.jpg
  • 03sakristei.jpg
  • 04blick.jpg
  • 05heiliggeistloch.jpg
  • 06altar.jpg
  • 07taufe.jpg

Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Kirche!
Ich habe ganz viele Schlüssel in einer Schublade, zu denen es keine Schlösser mehr gibt. Manche habe ich schon von Oma und Opa geerbt, andere haben sich im Laufe der Jahre und mit vielen Umzügen angesammelt. Und wenn ich mal einen Schlüssel suche, ist er garantiert nicht dabei.Aber es ist schon ein magisches Bild, diese vielen Schlüssel, einige mit Rostansatz, einige vergilbt, andere mit seltsamem langen Bart.
schluessel0520Die vergangenen Wochen kamen mir ähnlich vor. Mit der Tasche vollen Schlüssel kam ich nicht in die Türen. Andere Städte und Bundesländer waren versperrt, Kindergärten und Schulen, Gemeindekreise und Altenheime,Türen zu Verwandten und Freunden, die Tische von Cafés und Gaststätten. Sogar die Kirchen und Gemeinderäume waren verschlossen. Und so war die vorösterliche Fastenzeit in diesem Jahr ein Fasten auf Menschen und ein Fasten auf Gottesdienste. Am Anfang hatte diese Beschränkung auch etwas Gutes, ich konnte viele liegengebliebene Papiere erledigen und abheften, konnte uralte Relikte aus dem Jugendkeller wegwerfen und manchen Staub entfernen. Doch mit der Zeit kam ein Kribbeln in Kopf und Hände und Füße. Die Ungeduld. Ich merkte immer deutlicher, wie sehr mir viele Leute fehlten.Wie viele Worte ich nicht gesprochen hatte am Abend. Wir haben Andachten und Gottesdienste aufgenommen mit der Kamera und ins Internet gestellt. Auch dies war ein eigenartiges Gefühl, vor leeren Bänken und Stühlen zu singen und zu sprechen. Aber ich konnte mir dabei vorstellen, wer hier eigentlich sitzen sollte! Ob Tagespflege oder Gemeindekreis, ob Kirche oder die drei Altenheime, ob Geburtstagskind oder gestresste Familie, Kinder oder Senioren, die leeren Stühle bekamen Gesichter.Wie sehr sich doch Gott mit uns Menschen verbunden hat! Ich konnte seine Sehnsucht gut nachempfinden in dieser Zeit, wenn so wenige nur zu ihm kommen. Plötzlich, wenn der alltägliche Ablauf unter Quarantäne steht, merkte ich, was mir wirklich wichtig ist. Worauf ich gar nicht und worauf sehr wohl verzichten kann. Eine erweiterte Fastenzeit, die sich in diesem Jahr nicht in einem strahlenden Ostergottesdienst auflöste. Keine Osternacht, kein Osterbrot, keine Taufen, keine Konfirmanden, die schon alles vorbereitet hatten.Vielleicht will uns dieses Virus daran erinnern, dass unser Leben verletzlich bleibt. Wir haben nicht alles im Griff und nicht alles ist machbar, wie unsere Zeit uns einflüstern will. Wir bleiben unvollkommen in dieser Welt und sehr abhängig von jedem neuen Tag. Plötzlich wird ein Telefonat ganz kostbar, wird ein Gottesdienst ersehnte Freude, ein Lächeln veredelt den Tag und ein Chorgesang erhebt das Herz. Ein Besuch bringt für eine Woche Sonnenschein und eine kleine Kerze kann die ganze Seele erstrahlen lassen.
Natürlich ist Gesundheit ein hohes Gut. Doch sie ist nicht alles, wie uns die Virologen in diesen Tagen erklären wollen. Und sie ist bei aller Vorsicht und allem Mundschutz nicht machbar und nicht in unserer Hand. Was Leben aber kostbar und reich macht, das durften wir erfahren in diesem Tagen des Mangels.Volle Supermärkte sind das Eine, ein leeres Herz ist das Andere. Dass Gott und Menschen dort einziehen ist Ziel jeder Fastenzeit. Den Schlüssel zu beiden sollten wir uns nicht nehmen lassen.
Ihr Pfarrer Stephan Pecusa

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.