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Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Kirche!

Äpfel Calvados 2018 Lizenz Stephan Pecusa kEin gewaltiges Bild, das mir in der Normandie in Frankreich vor die Kamera gekommen ist. Äpfel, soweit das Auge reicht. Berge.Tonnen. Frische und angefaulte, rote, gelbe, grüne. Sie alle landen in einer Presse, denn es geht um den Saft, um Geschmack und Geruch und vor allen um den Zucker. Und am Ende kommen dutzende Getränke in Flaschen, die sich um diese uralte Kulturfrucht ranken.Apfelmost für einige Cent, reiner Apfelsaft für Babys, Apfelbier und -wein und der Calvados, der nach Jahrzehnten der Lagerung viele hundert Euro kostet.

Wie in jedem Jahr feiern wir das Erntedankfest, nicht so reichlich wie in manchen Dörfern und in früheren Zeiten, aber es lädt ein, die Früchte der Erde und die Früchte des Lebens zu betrachten. Für den Saft spielt das Aussehen der Äpfel keine Rolle! Das fand ich beim Anblick des riesigen Berges sehr ermutigend. Einmal, weil das Alter auch mir inzwischen eigenartige Flecken und Furchen und Dellen auf und unter die Haut zaubert. Zum anderen aber, weil ich Vergleiche immer schon furchtbar fand. „Welche Note hat denn der Uwe?“, so fragte meine Mutter oft, wenn sie eine Arbeit unterschreiben musste. Mich ärgerte das enorm. „Was sagen denn die anderen dazu?“ „Welche Frisur und Mode trägt man oder frau denn heute?“ Vergleiche machen immer unglücklich und entwerten die eigene Person. Machen mich kleiner als ich bin. Bei den Äpfeln wird der Saft erst gut, wenn ganz viele verschiedene von ihnen zusammenkommen. Kein Einheitsbrei, sondern eine exklusive Mischung! Das wäre doch etwas, wenn wir solche Spezial-Mischungen ertragen und sogar schätzen könnten. Nörgler und Freudvolle, Querdenker und Immer-auf-die-Obrigkeit-Hörende, Laute und Leise, Zapplige und Stillsitzer, Kranke und Gesunde, Hellseher und Schwarzseher, Leidenschaftliche und Wortkarge, die Mischung macht das Leben reich. Nicht die Angst vor den anderen, sondern die Lust auf das andere weitet den Horizont und wohl auch das Herz. Ich habe lange geschaut, es sah wirklich kein Apfel aus wie ein anderer.Alles Originale. Darum gibt es für die Kenner auch nie gleichen Geschmack der Jahrgänge.

Wie beim Wein. Jedes Jahr schmeckt anders. Wie im richtigen Leben! Die Mischung macht es. Von allem etwas dabei, dann wird es rund und bleibt doch eckig und kantig genug. Das ist das Kirchenbild der Bibel, eine Gemeinschaft der ganz eigenen Menschen, in Christus vereint, doch reich mit unzähligen verschiedenen Gaben beschenkt. Wenn aus Angst voreinander Lust aufeinander wird, dann ist Gemeinde reich in Gott. Und dazu ist Frieden. Und den brauchen wir dringender denn je.

Ihr Pfarrer Stephan Pecusa

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