Andacht

Gott und die Welt

Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Kirche!

GB 02 2026 Seite 1 Titelbild Steinkreuz am Meer Linzenz FUNDUS 560 web…und plötzlich werden wir erinnert! An den Urlaub. Ich blättere am Computer durch alte Bilder und schwelge plötzlich in Sehnsucht und Freude. Ja, das Meer. Das bräuchte ich jetzt! Es ist ganz schön lange her, dass ich unbeschwert einige Tage frei hatte und ohne Termine genießen konnte. Es wird Zeit. Die Wellen rufen. Kraft tanken. Zur Ruhe kommen. Die Seele baumeln lassen. Neue Ideen finden. Oder ich werde erinnert an vergessene Freunde. Oh weh! Immer wollte ich schreiben oder anrufen und dann sind plötzlich Monate und Jahre vergangen. Ob es jetzt zu spät ist? Am Ende stehe ich allein da, weil ich es verbummelt habe, meine Beziehungen zu pflegen und achtsam mit Freundschaften umzugehen. Als ich diese Zeilen schrieb, sind gerade in Leipzig viele Leben abgerissen. Von einem Amokfahrer getötet, verletzt oder schwer verstört worden. Vor unserer Haustür, da, wo ich neulich erst genüsslich auf der Suche nach Geschenken war. Voller Vor-Freude. …und plötzlich werden wir erinnert! An das Ende. An die Vergänglichkeit. Auch an die Kostbarkeit der Tage und der Menschen an unserer Seite. Plötzlich ist nichts mehr selbstverständlich. Katastrophen kommen meist aus dem Nichts. Und im Augenblick zieht uns vieles hinab. Wo wir hinschauen, lauert das Dunkle, das Verderben, die Angst. Und wieder brennen Kerzen. Und wieder liegen sich Menschen in den Armen und weinen und trösten sich. Wieder gibt es Gottesdienste und helfende Worte und hilflose Blicke und verwundete Herzen.

Und manchmal denke ich: Warum braucht es eigentlich immer die kleinen und großen Katastrophen, bis wir Menschen aufwachen? Warum führe ich die tiefgehenden Gespräche nur im Krankenhaus und am Sterbebett, wenn die Not mich zwingt? Warum liegen wir uns nur in den Armen voller Mitgefühl, wenn etwas Schlimmes geschehen ist? Das Leben ist doch viel zu kurz für vertrödelte Zeit und vertane Chancen. Und am schönsten ist es doch immer miteinander und mit Tiefgang und Weite. Das nächste Bild am PC zeigt ein Steinkreuz am Meer. Wir bummelten über den Strand und urplötzlich stand es vor uns. Damals in Irland. Einige Steine waren abgelegt, stumme Gebete. Auch wir legten einen Stein dazu. In traumhafter Landschaft. Hier trat Christus an unsere Seite. So, als ob er spräche: „Seht, ich bin bei Euch alle Tage!“ Wie damals zur Taufe versprochen. „Ich bin treu!“ Und wir fühlten uns ganz eigenartig geborgen und erinnert. Es läuft sich leichter, wenn er mitgeht. Es träumt sich schöner. Und ich kann die Katastrophen besser ertragen, die uns nicht erspart bleiben. Ich komme Menschen näher in Christus und das Leben wird reicher und kostbarer. Weil ich es mehr schätze. Die Zeit ist knapp. Und sie wird knapper, je mehr vergangen ist. Mit Christus aber tauchen wir ein in eine ganz andere Zeit, in die Ewigkeit, die schon mitten im Leben beginnen kann – wenn, ja wenn wir uns erinnern lassen. Vielleicht im nächsten Urlaub?!.

Ihr Pfarrer Stephan Pecusa